Künstliche Intelligenz im Mittelstand

Gestern (am 30.06.2020) fand ein hochinteressantes Online-Seminar zum Thema „Künstliche Intelligenz – einsatzbereit für den Mittelstand?“ veranstaltet vom BVMW (dem Bundesverband der mittelständischen Wirtschaft) statt (Ankündigung des Online-Seminars unter diesem Link). Sprecher waren Prof. Gölzer von der Technischen Hochschule Nürnberg (Professor für die Digitale Fabrik und Materialflusssysteme) und Jens Horstmann, seines Zeichens Vorstand der Trevisto AG.

Gleich zu Beginn seines Vortrags überraschte Prof. Gölzer mit der provokanten Frage, ob man den Titel der Veranstaltung nicht eigentlich umdrehen müsste. Statt also zu fragen, ob die Künstliche Intelligenz (KI) einsatzbereit für den Mittelstand sei, müsste man stattdessen nach der Einsatzbereitschaft des Mittelstandes für KI fragen! Ein Paukenschlag gleich zu Beginn – Chapeau Hr. Prof. Gölzer!

Denn was im Anschluss kam, war herzerfrischend offen und in der Aussage unmissverständlich: Liebe Unternehmer, macht erst einmal Eure Hausaufgaben und kümmert Euch um Eure Prozesse, ehe Ihr überhaupt darüber nachdenkt, in KI zu investieren. Eine Kernaussage von Prof. Gölzer lautete nämlich (Quelle: eine seiner Folien, die allerdings nicht durchnummeriert waren): „Ansatzpunkt für Künstliche Intelligenz sind Entscheidungen auf der untersten Ebene von Geschäftsprozessen“.

Also kann ein sinnvoller Einsatz von KI doch nur dann beurteilt werden, wenn Unternehmen ihre Prozesse bis ins letzte Detail kennen! Genau diese Voraussetzung ist aber in den wenigsten Unternehmen erfüllt!

Prof. Gölzer bestätigte nämlich auf Nachfrage, dass Unternehmen nicht in der Lage seien, ihre Prozesse vernünftig aufzuschreiben und dass ihn dieser Sachverhalt selbst immer wieder erstaune. Interessanterweise kam er im Laufe seines Vortrages beständig auf diesen Punkt des Aufschreibens der Prozesse zu sprechen und wie eminent wichtig dies sei. Mich wunderte lediglich, dass er auf die Nachfrage, wie man denn nun konkret Prozesse aufschreiben solle, eher verlegen und hilfesuchend Hrn. Horstmann anblickte. Leser meines Blogs kennen natürlich die Antwort auf diese Frage: BPMN.

Nichtsdestotrotz wies Prof. Gölzer unmissverständlich den Weg: Unternehmen müssen ihre Prozesse verstehen! DAS ist die Voraussetzung für den Einsatz von KI und für die gesamte Digitalisierungsbewegung, in der wir uns befinden. Diese Aussage unterstütze ich ausdrücklich!

Gerade im Zeitalter der Digitalisierung ist es mir völlig unbegreiflich, wie es sich Unternehmen leisten können, sich in ihren Kernprozessen nicht bis ins letzte Detail auszukennen. Auf der einen Seite nehmen sie sich unnötigerweise jede Möglichkeit des Eingreifens in die Abläufe und damit Innovationspotenzial. Andererseits sind Sie dadurch für jede Art von Veränderung anfällig, denn sie wissen nicht, wo sie ansetzen müssen. Sie müssen in der Folge tatenlos zusehen, wie die Konkurrenz an ihnen vorbeizieht. Ein solches Verhalten ist in meinen Augen verantwortungslos und gefährdet die Existenz von Unternehmen sowie unzähliger Arbeitsplätze! Dabei ist die Antwort darauf so einfach…

Abschließen möchte ich meinen heutigen Blog-Beitrag mit DEM Zitat schlechthin, das Sie ja auch von meiner Homepage her kennen, das treffender in Bezug zu obiger Analyse kaum sein könnte und das mir wie keine Anderes aus der Seele spricht:

If you can’t describe what you are doing as a process, you don’t know what you’re doing.

W. Edwards Deming

Dem ist nichts mehr hinzuzufügen!

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